Artikel vom 25.07.2007, Druckdatum 28.11.2020

Boom bei Ökostromanbietern

Seit die Atomkraftdiskussion in Deutschland wegen der Ereignisse in den norddeutschen Meilern Krümmel und Brunsbüttel erneut hochkocht, wächst auch das Interesse an der Initiative „Atomausstieg selber machen“ rapide. In den letzten Wochen besuchten so viele Menschen die Stromwechsel-Homepage der Initiative wie nie seit dem Start Ende September 2006. Die Initiative ist sich sicher, dass Bevölkerung, Gewerbe, Unternehmen, Kirchen und auch öffentliche Einrichtungen jetzt realen Einfluss auf die Konzernpolitik gewinnen können, wenn der Stromanbieterwechsel hin zu ökologischen Angeboten zum Massenphänomen wird.

Der Stromanbieterwechsel in Deutschland wird endlich Alltag. Unter dem Eindruck der Reaktorhavarien in Krümmel und Brunsbüttel verliert vor allem der Vattenfall-Konzern immer mehr Kundinnen und Kunden an Ökostrom Anbieter. Der Zulauf dort erreicht in diesen Tagen Rekordwerte. Auch „provozierende Preiserhöhungen und die Ankündigung der Konzerne, trotz des sich beschleunigenden Klimawandels eine neue Generation Kohlendioxid-intensiver Kohlekraftwerke zu bauen“, heize das Wechselfieber in Deutschland an.

Darauf hat die Initiative „Atomausstieg selber machen“, ein Bündnis aus Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und Anti-AKW-Initiativen hingewiesen, und die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, jetzt über den massenhaften Wechsel zu Ökostromanbietern unmittelbar Einfluss auf die Geschäftspolitik der Stromkonzerne zu nehmen. „Unser Ziel ist es, jetzt über die Macht der Stromverbraucherinnen und -verbraucher den Ausstieg aus der Atomenergie und den Einstieg in eine umwelt- und klimaverträgliche Energiezukunft zu beschleunigen. Die Abkehr von den Monopolkonzernen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW darf nicht bei den privaten Haushalten stehen bleiben. Sie muss Behörden, Gewerbetreibende und Unternehmen erfassen“, so die Initiative.

Alle vier von dem Aktionsbündnis empfohlenen Ökostromanbieter verzeichnen in jüngster Zeit Rekordzuwächse bei der Kundenentwicklung. Die Öko-Energiesparte Greenpeace energy der Hamburger Umweltaktivisten freut sich über steigenden Zulauf. „Wir verzeichnen ein deutlich erhöhtes Vertragsaufkommen in den Versorgungsgebieten von Vattenfall. Dieser Skandal ist für viele Verbraucherinnen und Verbraucher der Anlass, mit ihrem Wechsel zu Ökostrom endlich aktiv etwas gegen Atomkraft zu unternehmen“, sagt Robert Werner, Vorstand von Greenpeace energy. 

Der Ökostromanbieter hat jetzt Preissenkungen angekündigt. Alle Verbraucherinnen und Verbraucher, die ab jetzt zu Greenpeace energy wechseln, bekommen Strom ohne Atom- und Kohlekraft zu einem Preis von 19,8 Cent pro Kilowattstunde und einer monatlichen Grundgebühr von 8,90 Euro. Für die bestehenden Greenpeace energy-Kund/innen gilt dieser neue Tarif ab 1. Oktober 2007. Der neue Preis wird bis 30. Juni 2008 garantiert.

„Der letzte Monat war der stärkste seit Gründung des Unternehmens, im laufenden Monat Juli registrieren wir noch einmal 50 Prozent mehr Neukundinnen und -kunden als in den Vormonaten“, erklärt Ursula Sladek, Geschäftsführerin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS). „Wir erleben einen richtigen Vattenfall-Boom“, freut sich auch ihr Kollege Oliver Hummel, Geschäftsführer von der Düsseldorfer Naturstrom AG. 

„Zu Lichtblick haben in den letzten Wochen dreimal so viele Neukundinnen und -kunden gewechselt wie üblich. Der Monat Juni 2007 war bei der Kundenentwicklung der beste der Firmengeschichte. Wir haben mehr als 20.000 Neukundinnen und -kunden hinzugewonnen“, bestätigt auch Lichtblick-Prokurist Gero Lücking.

Der wichtigste Wert eines Energieversorgungsunternehmens seien nicht Kraftwerke oder Infrastruktur, sondern die Stromabnehmer/innen. „Wenn der Kundenstamm wegen des wachsenden Katastrophenrisikos alternder Atomkraftwerke bröckelt, dann wird der endgültige Atomausstieg näher rücken. Vattenfall ist der Anfang. Vattenfall ist überall!“, schließt die Erklärung der Stromwechsel-Initiative.

Mehr Informationen zum Stromwechsel innerhalb von fünf Minuten finden Sie im Internet unter www.atomausstieg-selber-machen.de und unter der kostenfreien Ökostrom Hotline: 0800 762 68 52 (werktags 9:00 – 17:00)

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH), Aktionsbündnis „Atomausstieg selber machen“
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