Artikel vom 20.04.2009, Druckdatum 30.11.2020

Freiburg bringt erstes „Solar-Gefängnis“ ans Netz

Deutschlands womöglich ungewöhnlichste Solaranlage ist fertig: Vor Kurzem konnte die 94 kW starke Photovoltaik Anlage auf dem Dach der Freiburger Justizvollzugsanstalt (JVA) offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Das Sonnenkraftwerk auf dem „Cafe Fünfeck“, wie die Freiburger das Gefängnis an der Hermann-Herder-Straße nennen, ist Teil eines großen neuen Bürgerprojektes, das der SolarRegion Freiburg bei der Umstellung auf erneuerbare Energie einen weiteren Schub geben soll: Das Projekt Regiomix 2030.

Regiomix 2030, gemeinsam vom regionalen Energie-Unternehmen badenova und der Ebringer Ökostrom GmbH vorangetrieben und derzeit in der Umsetzung, verbindet die Stromproduktion aus Wind, Wasser und Sonne zu einem ungewöhnlichen Projekt, das die Bürgerinnen und Bürger der Region offenbar sehr gut anspricht. Bereits wenige Wochen nach Erscheinung des Prospektes sind 25 Prozent der Kommanditanteile durch privates Bürgerkapital gezeichnet.

Ähnlich wie andere Bürgerbeteiligungsprojekte, die badenova gemeinsam mit der Ökostrom GmbH und teilweise auch mit dem Sportclub Freiburg (badenova-Solarstadion und mehr) umgesetzt habe, sei das Gesamtkonzept von regiomix 2030 erneut auf Erfolg angelegt, sagte Johann-Martin Rogg, Geschäftsführer von regiomix von Seiten der badenova. Das Solarkraftwerk auf dem Gefängnis sei vom Ort her der spektakulärste Teil des Projektes, aber nur ein kleiner Teil des auf fast 9 Millionen Euro Investition angelegten Gesamtkraftwerkes. 

Neben weiteren Solaranlagen und einer Wasserkraftanlage in Emmendingen gehören dazu vor allem zwei Windräder, deren Bau demnächst in Hornberg beginnt. Für die 2,5 Millionen Privatkapital, die für das Projekt eingeworben werden sollen, verspricht der Prospekt eine Rendite von 6,7 Prozent. Die letzten großen Bürgerprojekte dieser Art (Solar-Uni, regiosonne BreisgauSolar, St. Peter) hätten bislang alle ihre Renditeprognosen umgesetzt. 

Scherzhaft fügte Johann-Martin Rogg hinzu: „Während bei kleineren Solaranlagen zuletzt immer mal wieder Schlagzeilen von gestohlenen Modulen die Anleger verunsicherten, sind hier die Aussichten bestens: Die Solarmodule auf dem Gefängnisdach sind so sicher wie sonst nirgends“. Gefängnisdirektor Thomas Rösch widersprach nicht.

Regiomix-Geschäftsführer Andreas Markowsky sagte bei der Eröffnung der Solaranlage am 9. April 2009: „In Freiburg ist Solarenergie inzwischen schon so selbstverständlich, dass sie es sogar bis hinter Schloss und Riegel schafft.“ Zwar habe die ursprüngliche Idee, die Gefangenen selbst an der Installation der Anlagen mitarbeiten zu lassen, nicht geklappt, weil just zum Zeitpunkt der Montage Hochkonjunktur im Gefängnis für andere Arbeitsaufträge geherrscht habe. Der Ablauf der Arbeiten habe jedoch trotz der besonderen Sicherheitsumstände in einem Gefängnis im vorgeplanten Zeitrahmen sehr gut geklappt. 

Ministerialdirektor Michael Steindorfner aus dem Stuttgarter Justizministerium fand es bei der Eröffnung der Solaranlage bezeichnend, dass das erste Sonnenkraftwerk auf einem baden-württembergischen Gefängnisdach, ja womöglich vielleicht in ganz Deutschland, in Freiburg in Betrieb gehe. Steindorfner: „Wir fanden die Idee eines Solardaches auf einem Gefängnis von Beginn an faszinierend und haben sie unterstützt“. Ob jetzt weitere Gefängnisse in Baden-Württemberg dem Freiburger Beispiel folgen, vermochte Steindorfner zu diesem Zeitpunkt nicht zu prognostizieren. „Wenn die baulichen Voraussetzungen stimmen, werden wir auch weitere Projekte genehmigen, falls Investoren an uns herantreten“, versprach Steindorfner eine dauerhaft konstruktive Haltung des Ministeriums in dieser Frage. 

Freiburgs Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik freute sich, dass das Netzwerk der SolarRegion Freiburg immer enger wird und mittlerweile sogar bereits die Gefängnisdächer erreicht hat. Die Stadt Freiburg habe sich seit 2006 intensiv darum bemüht, diesen potenziellen Photovoltaik Standort in der JVA realisierbar zu machen und begrüße daher dieses neue PV-Projekt sehr. Man möchte dies auch als Impuls für die Eigentümer/innen anderer großer Gebäude in Freiburg verstanden wissen, die dortigen Photovoltaik Potenziale zu realisieren. Mittlerweile hat die Solarregion Freiburg einen Anlagenbestand, der auf 15 Megawatt installierter Leistung zugeht, was einer Fläche von rund 120.000 Quadratmetern Solarmodulen und einem Investitionsvolumen von zirka 90 Millionen Euro entspricht. 

Quelle: badenova
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