Artikel vom 16.06.2006, Druckdatum 30.05.2020

Schön am Boden bleiben!

An die türkische Riviera für 29 Euro? Nach Warschau für 19 Euro? Für 99 Euro mal schnell über den Atlantik? Billig fliegen boomt. Doch das Flugzeug gilt als einer der größten Klimakiller überhaupt. Auf bis zu 10 Prozent wird der Anteil des Flugverkehrs an der globalen Erwärmung geschätzt. Besser also: Am Boden bleiben!

Laut statistischem Bundesamt stieg von 1994 bis 2004 die Zahl der von deutschen Flughäfen abfliegenden Passagiere um annähernd 58 Prozent (von 49,6 auf 78,4 Millionen). Dabei ist schon längst klar: Die Klimabilanz des Flugzeugs ist katastrophal. Ein Flugzeug verbraucht etwa dreimal soviel Energie wie Bus und Bahn.

Vor allem in der Startphase verbrennt ein Flieger große Mengen Kerosin. Eine Boing B 747 beispielsweise verbraucht im Steigflug 3.400 Liter Kerosin/100 km, was einem CO2-Ausstoß von 6,4 Tonnen entspricht (Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt). Zusätzlich problematisch ist, dass die Schadstoffe in größer Höhe ausgestoßen werden und damit wesentlich gravierendere Folgen haben, als der Verkehr am Boden. Allein die hohen Schleierwolken und Kondensstreifen verstärken das Aufheizen der Atmosphäre und können laut der Initiative Atmosfair lokal stärker zur Erwärmung der Erde beitragen als alle anderen von der Menschheit verursachten Treibhausgase.

Jeder Flugpassagier trägt also erheblich zur Klimaschädigung bei. Die Initiative Atmosfair hat dazu folgende Rechnung aufgestellt: Angenommen, jeder Erdenbewohner (!) dürfte gleich viele Klimaemissionen ausstoßen – nämlich rund drei Tonnen CO2 –, so dürfte jeder für seine Mobilität etwa eine Tonne CO2 im Jahr in die Luft blasen. Mit dem Flugzeug käme man so in einem Jahr etwa 3.000 Kilometer weit, mit dem Auto 7.000 Kilometer und mit der Bahn 17.000 Kilometer. Wohlgemerkt: Wenn die 3.000 Kilometer verflogen wären, wärs das dann mit der Mobilität für den Rest des Jahres!

Man muss also kein großes Rechengenie sein, um zu erkennen, dass es für die Umwelt am besten ist, auf dem Boden zu bleiben. Mit Bus, Bahn, Fahrrad oder auch zusammen mit anderen im Auto lässt sich klimafreundlich fahren und reisen. Auch Car-Sharing oder Mitfahrzentralen bieten hier echte Alternativen. Sogar die Bahn selbst bietet inzwischen eine Mitfahrbörse an. Unter www.ticket-mitfahrer.de, www.kartenfuchs.de oder www.ticket-teilen.de kann man sich mit anderen zum reisen verabreden. Anregungen zum sanft reisen gibt es auch unter www.fahrtziel-natur.de oder www.bund-reisen.de.

Wer dennoch auf einen Flug nicht verzichten will, kann bei der Initiative Atmosfair Zertifikate erwerben. Gezahlt wird der Betrag, der nötig ist, um die Klimaschäden eines Fluges auszugleichen. So kostet ein Zertifikat für einen Hin- und Rückflug nach Mallorca etwa 10 Euro. Das Geld fließt in die Nutzung erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern. So werden zum Beispiel in sonnenreichen Gegenden Solaranlagen oder solarthermische Großküchen aufgebaut. Das dient dem Klimaschutz und schafft Arbeitsplätze in ärmeren Regionen. Mehr unter www.atmosfair.de

Ach übrigens: Laut Bund für Umwelt und Naturschutz BUND sind die Flugpreise unter anderem deshalb so billig, weil der Flugverkehr von der Mineralölsteuer, der Ökosteuer und der Mehrwertsteuer auf internationale Tickets befreit ist.

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, Initiative Atmosfair

Autorin: Petra Forberger für www.solarportal24.de







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