Artikel vom 29.06.2006, Druckdatum 14.08.2020

Italienischer Fotovoltaikmarkt: Zuversicht trotz Hindernissen

Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland haben zwischenzeitlich ähnlich attraktive Einspeisevergütungen wie Deutschland. Die deutsche Solarbranche rechnet deshalb in Südeuropa mit steigenden Exportraten. Eine neue Studie von EuPD-Research hat jetzt erstmals die aktuelle Marktsituation in Italien untersucht. Sie zeigt: Die Zuversicht ist berechtigt – auch wenn noch mit Hindernissen zu rechnen ist.

Groß sind die Erwartungen, mit denen die deutsche Fotovoltaikbranche derzeit nach Italien blickt. Grund dafür ist u.a. das Ende Juli 2005 in Kraft getretene „Conto Energia“, das – im europäischen Vergleich – hohe Einspeisetarife für Solarstrom festlegt. Die EuPD-Studie „Der italienische Fotovoltaikmarkt 2006 – Grundlagen, Potenziale, Risiken“ hat nun erstmals Primärdaten über die Strukturen des italienischen Fotovoltaikmarktes erhoben und festgestellt, dass sich dortige Marktteilnehmer vor allem auf neue Marktstrukturen einstellen müssen.

Der italienische Fotovoltaikmarkt ist derzeit noch ein sehr junger Markt. Das bedeutet, Marktteilnehmer finden noch recht wenig entwickelte Vertriebsstrukturen vor. Viele der befragten Distributoren, Großhändler und Systemintegratoren haben ein breites Leistungsspektrum: zwei Drittel der Unternehmen installieren Solarstromanlagen, jeder Dritte bietet auch Planungsleistungen an.

Zudem setzen italienische Unternehmen andere Prioritäten, hat die Studie festgestellt. Für die meisten liegt derzeit das Hauptaugenmerk bei der Produktauswahl nicht vorrangig auf der Verfügbarkeit. Als „sehr wichtig“ beurteilten dagegen immerhin 60 Prozent der Firmen die Qualität der Ware, Leistungsgarantie und –grad (jeweils 50 Prozent) sowie die einfache Anwendung und Montage (40 Prozent). Hintergrund sind laut EuPD Research frühere negative Erfahrungen der befragten Unternehmen u.a. mit dem 10.000-Dächer-Programm. Hier habe es häufig Probleme mit der Leistungsfähigkeit der installierten Anlagen gegeben, weshalb auch jedes dritte Unternehmen heute Komplettsysteme bevorzugt. Die Installationsbetriebe fragten aufgrund (noch) mangelnder Erfahrung mit der Installation von Fotovoltaikanlagen verstärkt nach solchen Paketlösungen, so die Marktforscher.

Mit einer attraktiven Gesetzgebung, guten klimatischen Bedingungen und hohen Antragszahlen ist Italien also durchaus ein interessanter Markt für deutsche Solarunternehmen. Diese sollten sich allerdings mit der Marktsituation vor Ort gut vertraut machen. Denn trotz der guten Ausgangslage wird die Menge der tatsächlich umgesetzten Projekte und damit das Wachstum des italienischen Marktes durch mehrere Faktoren beeinträchtigt, ergab die Studie. Insbesondere bei der Realisierung der Fotovoltaikprojekte ergeben sich nach Ansicht der befragten Unternehmen Verzögerungen. Jedes zweite Unternehmen macht dafür bürokratische bzw. administrative Hürden sowie die italienische Gesetzgebung (35 Prozent) verantwortlich. Dazu gehören beispielsweise das kompliziert ausgestaltete Fördersystem oder langwierige Verfahren bei der Erteilung von Baugenehmigungen für Solarstromanlagen.

Obwohl Qualität, Leistungsfähigkeit und Handhabung für die befragten italienischen Unternehmen im Vordergrund stehen, ist die Verfügbarkeit von Solarmodulen natürlich auch in Italien ein Thema. Auch für den italienischen Markt wird dies von entscheidender Bedeutung sein, sind sich immerhin 50 Prozent der befragten Marktteilnehmer sicher. Dennoch schätzen die Befragten die weitere Entwicklung des Fotovoltaikmarktes in Italien insgesamt eher optimistisch ein. Für 2006 gehen die Unternehmen von einer neu installierten Leistung von durchschnittlich 52,5 Megawatt aus. 2007 sollen es bereits durchschnittlich 110, 2008 etwa 181 Megawatt sein.

Quelle: Europressedienst

Autorin: Petra Forberger für www.solarportal24.de







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