Artikel vom 07.08.2006, Druckdatum 13.04.2024

„Solarzentrum“ Ostdeutschland

Weltweit Spitzenreiter bei der Installation von Solaranlagen auf Dächern und Freiflächen und nach Japan zweitgrößter Hersteller von Solarzellen: Deutschlands Solarbranche boomt. Vor allem in Ostdeutschland . Fabriken zur Herstellung von Solartechnik entstanden in den vergangenen Jahren vor allem in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Bundesweit arbeiten mehr als 40.000 Menschen in der Solarbranche. Bis 2020 sollen es 200.000 Beschäftigte sein.

Sie heißen Q-Cells (Sachsen-Anhalt), ErSol (Thüringen) und Solon (Berlin) und haben eins gemeinsam: Sie haben Ostdeutschland als Standort gewählt. Und das aus vielen guten Gründen – auch aus Kostengründen. Vor allem in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sind in den vergangenen Jahren Fabriken zur Herstellung von Solartechnik entstanden. Und haben damit Arbeitsplätze gebracht.

Ende 1999 startete beispielsweise der Solarzellenhersteller Q-Cells im sachsen-anhaltischen Thalheim mit 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im Juni diesen Jahres wurde die 100-millionste Solarzelle gefertigt und es arbeiten mittlerweile rund 800 Beschäftigte für das Unternehmen. Dem Solarzellenhersteller sind weitere Solarunternehmen gefolgt und so hat sich in den vergangenen fünf Jahren in Thalheim ein richtiges „Solarzentrum“ entwickelt. Hier produziert unter anderem auch die EverQ GmbH Siliziumscheiben (Wafer), Solarzellen und Solarmodule. 

Im sächsischen Freiberg entsteht derzeit für den SolarWorld-Konzern aus Bonn eine neue Produktionsstätte für Wafer. „Wir verdoppeln damit unsere Kapazitäten“, so Vorstandssprecher Frank Asbeck. „Wir bauen in Deutschland unsere Produktion aus, schaffen hier Arbeitsplätze, um auf den Weltmarkt zu exportieren“. SolarWorld gehört mit 1.300 Mitarbeitern nach eigenen Angaben weltweit zu den größten Unternehmen der Branche.

Auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums Erfurt erstellt das 1997 gegründete Erfurter Solarzellen Unternehmen ErSol eine neue Produktionsstätte für Silizium-Dünnschichtmodule. Auf einem circa 35.000 Quadratmeter großen Areal soll bis Sommer 2007 eine Produktionsfläche von etwa 6.000 Quadratmeter entstehen. Auch die Mitarbeiterzahl soll ausgebaut werden. Aktuell sucht der Konzern Fachkräfte für unterschiedliche Produktionszweige.

In Frankfurt/Oder (Brandenburg) baut die First Solar gerade eine Anlage zur Herstellung von Solarmodulen, die einmal über eine nominale Kapazität von 100 Megawatt (MW) verfügen und 400 Menschen beschäftigen soll. Insgesamt investiert die First Solar am ostdeutschen Standort 115 Millionen Euro. „Die Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien in Deutschland bieten unserer Firma die notwendige Sicherheit, um langfristige Arbeitsplätze in Frankfurt (Oder) zu schaffen“, so Heiner Eichermüller, Geschäftsführer der First Solar Manufacturing GmbH.

Aber der deutsche Markt ist auch für ausländische Investoren interessant. So plant beispielsweise der US-Konzern Nanosolar eine Fabrik für Solarmodule in Berlin. „Sie wollen noch in diesem Jahr anfangen. In Adlershof soll die Endfertigung von Dünnschicht-Solarmodulen erfolgen“, so Christoph Land von der Berliner Senatsverwaltung gegenüber dpa.

Tagebau und Brikettfabriken, die Luft oft zum schneiden dick - das war einmal in Ostdeutschland. Heute sind es die Erneuerbaren Energien, die neue Energie bringen – nicht nur für den Osten Deutschlands. 

Quelle: dpa, verivox


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