Artikel vom 04.10.2011, Druckdatum 03.03.2024

Kommunen sind Vorreiter bei der Verbreitung von Photovoltaik in Deutschland

Mit ihrer Kampagne „20%-Solarkommune“ zeigt SolarLokal, eine Initiative der Deutschen Umwelthilfe und der SolarWorld AG, was in Sachen Photovoltaik in Zukunft möglich ist: Auf den entsprechenden Aufruf von SolarLokal meldeten mehr als 70 der 400 SolarLokal-Kommunen ihren Solarstromanteil. Aktueller Spitzenreiter ist Markt Neukirchen-Balbini im Landkreis Schwandorf (Bayern). Der Ort mit seinen 1.300 Einwohnerinnen und Einwohnern und einem Stromverbrauch von fast 2,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr 2010 erzeugt mehr als 1,5 Millionen Kilowatt solarelektrisch und damit einen Anteil am Gesamtverbrauch von 64,2 Prozent.

In derselben Liga spielen die Kommunen Alheim (Hessen) und Ascha (ebenfalls Bayern). Die 5.300-Einwohner-Kommune Alheim kommt auf einen Solarstromanteil von 62,5 Prozent. Dort wurden im Jahr 2010 mehr als 3,7 Millionen Kilowattstunden eingespeist. In Ascha leben 1.540 Menschen; sie verbrauchen 4,25 Millionen Kilowattstunden Strom und haben im vergangenen Jahr 2,53 Mio. produziert.

Die Zahlen zeigen nach Ansicht von SolarLokal, dass Politiker wie EU-Energiekommissar Günther Oettinger das Potenzial der Sonnenenergie in Deutschland chronisch unterschätzen. Oettinger hatte behauptet, dass sich die Erzeugung von Solarstrom in Deutschland nicht lohne. 

In Wirklichkeit ist die Photovoltaik mit einem Gesamtumsatz von 19,5 Milliarden Euro im Jahr 2010 schon heute ein bedeutender Pfeiler der Stromerzeugung und wichtiger Wirtschaftsfaktor nicht nur in einzelnen Gemeinden, sondern deutschlandweit. Ihre Bedeutung wächst weiter, während sich ihre Kosten rasant verringern und mit ihnen die Vergütung pro Kilowattstunde, die die Stromverbraucher über die EEG Umlage zahlen müssen. Schon im kommenden Jahr 2012 wird die Vergütung pro Kilowattstunde für Neuanlagen voraussichtlich unter die für Offshore-Windstrom fallen.

Mit den Gemeinden Frankenfeld in Niedersachsen und Dettighofen in Baden-Württemberg haben zwei weitere Kommunen die 20-Prozent-Marke überschritten. Die 549 Einwohnerinnen und Einwohner aus Frankenfeld produzieren über 470.000 Kilowattstunden Solarstrom. Bei einem Verbrauch von 1,7 Millionen Kilowattstunden entspricht dies einem Solarstromanteil von 27,5 Prozent. 

Knapp dahinter, die rund doppelt so große Gemeinde Dettighofen mit 1.097 Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie bringt es auf einen Solarstromanteil von 22,7 Prozent. Aber nicht nur kleine Gemeinden, die aufgrund ihres geringen Industriestromverbrauchs und der Bereitstellung großer landwirtschaftlicher Dach- oder Freilandflächen sehr gute Werte erzielen, konnten sich weit vorne platzieren. Viele größere Gemeinden und Städte reduzieren ebenfalls ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. 

So erreichen Ahlen in Nordrhein-Westfalen mit 53.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits einen Solarstromanteil von mehr als 3,2 Prozent und Riedstadt in Hessen sogar 9 Prozent. Kaiserslautern kommt als Stadt mit zirka 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit fast 6 Millionen Kilowattstunden Solarstrom auf einen solaren Deckungsgrad von 3,7 Prozent. Damit ist Kaiserslautern Spitzenreiter unter den großen Städten, die sich bislang an der Kampagne beteiligt haben.

„Die Tatsache, dass bereits 70 SolarLokal-Kommunen mitmachen, zeigt wie wichtig einer wachsenden Zahl von Bürgermeistern und Gemeinderätinnen die Förderung der Photovoltaik ist. Lokale Wertschöpfung durch das Handwerk, regionale Finanzierung durch örtliche Banken und der Beitrag zum Klimaschutz sind die wichtigsten Argumente für die Photovoltaik“, erklärt Jörg Dürr-Pucher, Generalbevollmächtigter der Deutschen Umwelthilfe. 

Im nächsten Schritt wollen die Initiatoren der Kampagne alle Kommunen in Deutschland einladen, sich an dem Wettbewerb „20%-Solarkommune“ zu beteiligen. So soll sichtbar werden, dass Solarstrom in Deutschland in einer zunehmenden Zahl von Kommunen bereits zweistellige Beiträge zur Stromerzeugung leistet. 

Mit dem höheren Anteil an der Stromproduktion steigt auch die Verantwortung der Solarstromproduzenten für die Stromversorgung. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb die Industrie auf, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und mit hohem Engagement Speichersysteme zu entwickeln, die einen wesentlichen Beitrag zur Verstetigung der Solarstrombereitstellung leisten können.

Die Gesamtergebnisse der Umfrage „20%-Solarkommune“ finden Sie auf der Internetseite der Kampagne SolarLokal unter www.solarlokal.de/umfrage.htm 

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V., SolarLokal

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