Artikel vom 20.10.2012, Druckdatum 03.12.2022

Die Zukunft steigender Energiepreise: das Nullenergiehaus

Er gilt als „Weltmeisterschaft der Solarhäuser“: der Architekturwettbewerb „Solar Decathlon“. Mit ihrem Nullenergiehaus haben Studierende der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) im „Solar Decathlon Europe 2012“ in zwei von zehn Disziplinen den ersten Platz belegt. In der Gesamtwertung landeten sie auf Platz vier. „Ecolar Home“ ist ein nachhaltiges Wohnkonzept für zwei Personen, das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet und schließlich mehr Energie erzeugen kann als seine Bewohnerinnen und Bewohner verbrauchen.

Zwei Jahre lang haben sich Studierende über Fakultätsgrenzen hinweg auf den Wettbewerb vorbereitet, bevor sie das „Ecolar Home“ im September 2012 der Jury und interessierten Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt in Madrid präsentierten. Intensiv hatten sich die Studierenden mit Möglichkeiten zum nachhaltigen Bauen beschäftigt und mit der Unterstützung von mehr als 80 Sponsoren ein bewohnbares Haus entwickelt und aufgebaut. Das Konzept des Hauses lässt sich mit „ecolar“ beschreiben: einer Kombination von modular, ökologisch, ökonomisch und solar. 

Der internationale Hochschulwettbewerb Solar Decathlon hat die Förderung innovativer Konzepte für regeneratives Bauen als Ziel. Er wurde von der spanischen Regierung und der Universität für Technik in Madrid ausgelobt. Für den Solar Decathlon 2012 haben sich 120 Hochschulen aus Asien, Amerika und Europa beworben, 20 durften ihre Häuser in Madrid präsentieren. 

Täglich mussten die Häuslebauer die Alltagstauglichkeit ihres Hauses unter Beweis stellen: Waschmaschine laufen lassen, zwei Mal am Tag eine heiße Dusche simulieren, den Backofen eine Stunde lang auf 220 Grad heizen. Währenddessen wurden unter anderem Stromverbrauch, Raumtemperatur und -luftfeuchtigkeit gemessen. „Wir mussten zeigen, dass unser Haus funktioniert“, erläutert Bettina Grosshardt, Sprecherin des Teams. 

Parallel wurden die Häuser in zehn Disziplinen bewertet. In den Kategorien „Entwicklung und Konstruktion“ und „Industrialisierung und Marktfähigkeit“ hob die Jury das Konstanzer Haus auf den ersten, in Energieeffizienz auf den dritten Platz. „Diese Spitzenleistung würdigt die Stärken der HTWG“, sagte Handel, der das große Engagement der Studierenden lobte. „Ich habe in dem Projekt viel mehr gelernt als in einem normalen Semester, habe aber auch viel mehr Zeit investiert“, sagte Jochen Weber, Student im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Bau.

Studierende aller Fakultäten vom Erstsemester bis zum Absolventen hatten mitgearbeitet, ein nachhaltiges Wohnkonzept für zwei Personen zu entwickeln, das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet und schließlich mehr Energie erzeugen kann als seine Bewohnerinnen und Bewohner verbrauchen. „Jeder hat das eingebracht, was er konnte“, erzählte Architekturstudent Matthias Fortenbacher nach der Preisverleihung. 

„Ein technisch und architektonisch anspruchsvolles Haus entwickelt und gebaut zu haben, das weltweit zu den innovativsten Konzepten für nachhaltige Architektur zählt, ist eine tolle Leistung unserer Studierenden“, lobte HTWG-Präsident Dr. Kai Handel das Engagement aller.

Dennoch war die Enttäuschung, knapp den dritten Platz verfehlt zu haben, spürbar. Doch freuen sich die Studierenden über die sehr positive Resonanz von Besuchergruppen. „Es gab viele ernste Anfragen, wann unser Haus gekauft werden kann“, sagte Architekturprofessor Thomas Stark, der an der HTWG energieeffizientes Bauen lehrt und als internationaler Fachmann auf dem Gebiet den Stein zur Wettbewerbsteilnahme ins Rollen gebracht hat. 

Die Bilanz nach vielen Stunden Planen, Diskutieren Auf- und Abbauen von Architekturstudentin Linda Wenniger: „Ich hätte Lust, beim nächsten Solar Decathlon wieder mitzumachen.“ Die Studierenden bauen in diesen Wochen das Haus in Konstanz wieder auf dem HTWG-Campus auf, wo es als Forschungsstätte für nachhaltige, durchdachte Architektur mit integrierten Lösungen genutzt wird. Als nächstes steht die Zertifizierung von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen an.

Quelle: HTWG Konstanz
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