Artikel vom 30.03.2013, Druckdatum 18.09.2020

Japanische Atomkraft-Kritiker informieren sich in Deutschland

Ein Gruppe japanischer Atomkraft-Kritiker um den Filmschauspieler Taro Yamamoto und den Autor Takashi Hirose besuchte am Dienstag, den 26. März 2013, die Elektrizitätswerke Schönau. Die generationsübergreifende fünfköpfige Reisegruppe war vor ihrem Besuch in Schönau an unterschiedlichen Energiestandorten Deutschlands unterwegs, um sich über den Ausstieg aus der Atomkraft und den Umstieg in Erneuerbare Energien zu informieren.

Ursula Sladek konnte ihnen ein wirtschaftlich gesundes Ökostrom Unternehmen präsentieren, das aus einer kleinen Elterninitiative nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl entstanden ist. Ein Standardrezept für die erfolgreiche Entwicklung konnte sie ihren Gästen zwar nicht mit auf den Weg geben. Doch es kristallisierte sich im Laufe der intensiven Gespräche heraus, dass Unerschrockenheit, Zivilcourage, Beharrlichkeit, Kreativität und ein gesundes Demokratieverständnis wichtige Zutaten sind. 

Der Schauspieler Taro Yamamoto ist in Japan nicht nur durch zahlreiche Filme bekannt. Nach Fukushima machte er auch als bekennender Atomkraftgegner von sich reden. Für Menschen, die in Japan in der Öffentlichkeit stehen, kommt es einem Tabubruch gleich, öffentlich Stellung zu kontroversen Themen zu beziehen. Das zeigte sich, nachdem der 39-jährige seine atomkritische Haltung via Twitter kundtat. Daraufhin ließ seine Agentur ihn fallen und die Rollenangebote reduzierten sich auffallend.

Takashi Hirose hat sich als Journalist und Buchautor nicht nur in Japan einen Namen gemacht. Die Financial Times Deutschland veröffentlichte wenige Tage nach dem Mehrfach-GAU von Fukushima einen Kommentar des 70-Jährigen unter dem Titel „Eine Katastrophe von Menschenhand“.

Die generationsübergreifende fünfköpfige Reisegruppe war vor ihrem Besuch in Schönau an unterschiedlichen Energiestandorten Deutschlands unterwegs. Auch an Atomstandorten, die früheren Generationen Reichtum und den nachfolgend Generationen Ewigkeitskosten bescheren. Dort erkannten sie, dass auch in der deutschen Energielandschaft nicht nur Eitel Sonnenschein herrscht. Umso kraftvoller ist die Botschaft, die sie aus dem Schwarzwald mit nach Japan nehmen: Die Erfolgsgeschichte der EWS Schönau zeigt, dass eine nachhaltige, dezentrale Energieversorgung aus Erneuerbaren Quellen auch wirtschaftlich beispielgebend ist.

Ursula Sladek, die mittlerweile gestärkt durch die Rückendeckung und Marktmacht von rund 150.000 Stromkund/innen, 9.000 Gaskund/innen und fast 3.000 Mitgliedern der Genossenschaft Netzkauf e.G. auftreten kann, demonstrierte, wie ansteckend die Schönauer Energie sein kann. Mithilfe des Schönauer know how entstehen immer neue Keimzellen einer echten Bürger/innen-Energiewende: In Titisee-Neustadt, in Stuttgart und auch in Berlin entstand mit Schönauer Unterstützung eine Netzkaufbewegung.

Auch die Bewerbung Tokios für die Sommerolympiade 2020 war ein Thema. Ursula Sladek wies drauf hin, dass zumindest den Erwachsenen die Entscheidung eines Besuchs frei stünde. Im Gegensatz dazu könnten die Kinder, die in teilweise hoch verstrahlten Gebieten lebten, nicht über ihr Schicksal entscheiden. „Gerade die Kinder sind durch die hohe Zellteilungsaktivität im Wachstum einem besonders hohen Strahlenrisiko ausgesetzt“, betonte Ursula Sladek und fühlte sich an die Elterninitiativzeiten nach Tschernobyl erinnert. Sie ermutigte ihre Gäste, sich wo immer es möglich ist, für den Schutz der Kinder vor der radioaktiven Strahlung stark zu machen.

Die Elektrizitätswerke Schönau sehen sich als Teil der gesamten deutschen Bürger/innen-Energiewende, die überall im Land große Anerkennung aus dem Ausland bekommt. Wie nachhaltig dieser Funke überspringt, zeigt sich nicht nur durch den prominenten Besuch. Schon in der kommenden Woche erwarten die Schönauer wieder eine 60-köpfige japanische Besuchergruppe.

Quelle: Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH



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