Artikel vom 17.04.2013, Druckdatum 25.01.2021

Fell: „Schwarzer Tag für den europäischen Klimaschutz“

Das Europäische Parlament hat gestern mit den Stimmen der konservativen und liberalen Abgeordneten einen ersten Reformschritt des Emissionshandels abgelehnt. Hans-Josef Fell MdB, Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen bescheinigt diesem Entschluss „mehrfach verheerende Wirkungen“ und spricht von einem „schwarzen Tag für den europäischen Klimaschutz“.

Der bestehende Überschuss von Emissionszertifikaten und der damit entstandene Preisverfall sollte durch eine Verschiebung von Zertifikatsversteigerungen (Backloading) als erster Schritt für eine Entspannung sorgen, damit mittelfristig eine Reform des Emissionshandels erfolgen kann. Diesen Vorschlag der EU-Kommission hat das Europäische Parlament gestern abgelehnt und den Antrag in die zuständigen Ausschüsse zurücküberwiesen. Die liberale und konservative Fraktionen begründeten ihre Ablehnungen damit, dass sie die europäische Industrie nicht weiter belasten wollen.

„Die abgelehnte Emissionshandelsreform hat gleich mehrfach verheerende Wirkungen, weil viele politische und wirtschaftliche Maßnahmen auf einem funktionierenden Emissionshandel aufgebaut sind“, erklärt dazu Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. „So wird zum einen die Kohleverstromung weiter zunehmen, weil sie ihre verheerende Schadenswirkung für die Erderwärmung nicht bezahlen muss. Darüber hinaus werden viele Programme für die Energiewende ihre Finanzierungsgrundlage verlieren, da viele Programme über den Energie- und Klimafonds durch die Einnahmen des Emissionshandels finanziert werden, unter anderem Altbausanierungsprogramme, das Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien, die Forschung für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz oder das Programm für kleine Solarstromspeicher.“

Das Ablehnen dieser überfälligen Reform ist nach Aussage Fells auch ein Zeichen für das Versagen des politisch organisierten Klimaschutzes: „Zu viele Politiker, vor allem aus dem christlich-konservativen und liberalen Lager, stellen sich weiter schützend hinter die Interessen der fossilen Wirtschaft. Das zeigte sich gestern im Europaparlament und das zeigen Altmaier, Rösler und Co im Umgang mit der Energiewende und die Regierungen bei Klimaschutzkonferenzen wie in Kopenhagen oder Doha“. Doch viele Menschen in der Zivilgesellschaft hätten erkannt, dass der Klimaschutz keine Belastung ist, sondern eine Chance. Viele neue Unternehmen, NGOs, Genossenschaften, aber auch viele Bürgerinnen und Bürger wüssten das. Umso wichtiger sei es, dass Projekte und Initiativen zum Ablösen der fossilen Wirtschaften hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien unterstützt werden. Der Prozess sei im vollen Gange, er müsse nur weiter beschleunigt werden, fordert Fell.

„Die Entscheidung gestern im Europäischen Parlament zeigt aber auch, dass das gesamte Emissionshandelssystem nicht tauglich ist, um wirkungsvoll den Klimaschutz zu organisieren. Eine CO2-Steuer wäre stattdessen wesentlich erfolgversprechender“, so der Energieexperte abschließend.

Quelle: Hans-Josef Fell MdB, Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen
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