Artikel vom 14.03.2011, Druckdatum 28.11.2020

Greenpeace stellt Strafanzeige gegen baden-württembergische Umweltministerin Gönner

Greenpeace hat bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige wegen Verdachts auf Urkundenunterdrückung, Urkundenfälschung und Rechtsbeugung gegen die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) und verantwortliche Mitarbeiter ihres Ministeriums eingereicht. Die unabhängige Umweltorganisation wirft Gönner vor, trotz richterlicher Aufforderung, Verwaltungsakten über die Sicherheit von Atomkraftwerken zurückzuhalten. Greenpeace-Aktivisten fordern deshalb vor dem Umweltministerium in Stuttgart die Herausgabe der Unterlagen.

„Die Bürger haben ein Recht darauf, über die Sicherheit der Atomkraftwerke im Land umfassend informiert zu werden. Die Ministerin hält die entsprechenden Unterlagen jedoch vor der Öffentlichkeit zurück“, sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. „Tanja Gönner verhält sich so, als sei mit der Atomindustrie ein Kartell des Verschweigens vereinbart worden.“ 

Mit der Strafanzeige reagiert Greenpeace auf den rechtlich bedenklichen Umgang des Ministeriums mit Akten über Sicherheitsaspekte des Atomkraftwerks Philippsburg. Im September 2009 war das baden-württembergische Umweltministerium durch das zuständige Gericht aufgefordert worden, die Papiere innerhalb weniger Wochen den Klägern direkt vorzulegen. Greenpeace und Anwohner hatten gemeinsam auf Widerruf der Betriebserlaubnis des Kraftwerks geklagt. Bisher erhielt Greenpeace lediglich einen halbgefüllten Aktenordner mit augenscheinlich unvollständigem Inhalt. Zum Vergleich: Die Atomaufsicht in Hessen hat eine Umzugskiste Genehmigungsunterlagen sowie eine Vielzahl von korrekt geführten Aktenordnern zur Verfügung gestellt. 

Aus dem Umweltministerium gebe es bisher keine nachvollziehbaren Erklärungen für die massiven Verzögerungen des Verfahrens und die unvollständigen Akten, so Greenpeace. Noch Ende 2009 behielt sich Tanja Gönner eine persönliche Prüfung des Vorgangs innerhalb von vier Wochen vor. Passiert sei aber nichts. Es bestehe der Verdacht, dass der Prozess zum Nachteil der Kläger in die Länge gezogen werden soll, unter Missachtung geltenden Rechts. Dies könnte den Tatbestand der Rechtsbeugung erfüllen, stellt Greenpeace fest. 

Für eine mögliche Urkundenunterdrückung und -verfälschung spreche die Aussage des Umweltministeriums, dass nur noch Akten vorhanden seien, die der Geheimhaltung unterlägen. Die Erfahrung aus dem Parallelprozess in Hessen belegten, dass dies nicht zutreffen könne, so Greenpeace. „Die vom Ministerium von Frau Gönner abgelieferte willkürliche Zusammenstellung von Papieren begründet den Verdacht der Urkundenverfälschung.“

Auch beim zweiten Atomkraftwerk in Baden-Württemberg sei der Informationsfluss des Gönner-Ministeriums in Sicherheitsfragen mangelhaft, so die Umweltschutzorganisation weiter. Greenpeace veröffentlichte Ende Februar einen Nachrüstantrag des Betreibers EnBW für das AKW Neckarwestheim 1, der bereits 2007 an das Umweltministerium gestellt worden war. Bis heute hat die Ministerin nach Angaben von Greenpeace nicht erklärt, weshalb sie das Papier geheim gehalten hatte und die beantragten Sicherheitsnachrüstungen nicht umgesetzt wurden. 

Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner hat nach Angaben von Greenpeace die Katastrophe in Japan genutzt, um ihre ganz eigene Sicht der Dinge zu veröffentlichen. Angesichts der dortigen Ereignisse bezeichnete sie offenbar die Laufzeitverlängerungen in Deutschland als genau den richtigen eingeschlagenen Weg zur Beendigung der Atomkraft.

Quelle: Greenpeace Deutschland
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