Artikel vom 12.10.2006, Druckdatum 18.04.2021

Klimawandel: „Eine unbequeme Wahrheit“

„Die Menschheit sitzt auf einer tickenden Zeitbombe. Sollte der Großteil der Wissenschaftler der Welt Recht haben, bleiben uns gerade einmal noch zehn Jahre, um die größte Katastrophe abzuwenden, die unseren gesamten Planeten in einen Strudel epischer Zerstörung schicken könnte, mit Extremwetterlagen, Überschwemmungen, Dürren, Epidemien und tödlichen Hitzewellen die jenseits allem sind, was wir uns jemals vorstellen können.“ Diese Worte des ehemaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, Al Gore, bilden den Auftakt zu seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ („An Inconvenient Truth“), der heute in den deutschen Kinos startet. Sein Thema: Der Klimawandel und die Bedrohung, die er für die Menschheit darstellt.

Eigentlich ist der Film ein Vortrag: Al Gore tritt auf, stellt sich vor: „Hi, ich bin Al Gore. Ich war mal der nächste Präsident von Amerika.“ Unterhaltsam, engagiert, in verständlicher Weise und „unter weitgehendem Verzicht auf das Tremolo für die ökologische Rettung“, wie der Berliner Tagesspiegel schreibt, wird dann in 96 Minuten das Thema Klimawandel aufgeblättert. Eingespielte Kurzfilme dokumentieren, wo der Klimawandel bereits jetzt stattfindet: „So sah es in Patagonien vor 75 Jahren aus – und so letztes Jahr. Hier sieht man den Schnee am Kilimandscharo vor 30 Jahren – und vergangenes Jahr.“ 

Mittels Computersimulation werden die durch den steigenden Meeresspiegel ausgelösten Überflutungen Floridas, Shanghais, Kalkuttas oder Manhattans vor Augen geführt: „Das World Trade-Memorial stünde unter Wasser“. Dazwischen stellt Al Gore kritische Fragen: „Könnte es sein, dass wir uns noch auf andere Gefahren jenseits des Terrorismus vorbereiten sollten?“ Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel schreibt: „Al Gore zeigt schlicht, dass solche Ereignisse keine Gottesgeißeln, sondern menschengemacht sind. Und er zeigt es im anrührend Kleinen bis zum ökologisch-ökonomisch Großen – vom Eisbär, der im Polarmeer ertrinkt, weil ihm die Schollen wegschmelzen, bis zur US-Autoindustrie, die für ihre Spritfresser auf dem Weltmarkt immer weniger Abnehmer findet.“

„Der Film ist besser geeignet als viele wissenschaftliche Artikel und Fachkonferenzen, das Problem gezielt denjenigen Menschen zu erklären, die keine Vorkenntnisse haben und die sich vielleicht noch nie mit diesem Thema befasst haben“, so Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zum heutigen Start des Dokumentarfilms. Auch der Berliner Tagesspiegel bezeichnet den Film als „betont allgemeinverständlichen Vortragsfilm“. Das amerikanische Durchschnittspublikum habe „die Nachhilfe teils bereits umgesetzt: Während George W. Bush weiter gegen das inzwischen neun Jahre alte Kyoto-Zusatzprotokoll Front macht, haben 230 US-Städte und sogar ganze Bundesstaaten die darin formulierten Klimaziele einseitig als für sich bindend erklärt“, so der Tagesspiegel weiter. Selbst Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien, habe nach dem Besuch von Al Gores Film ankündigt, seinen Super-Size-Geländewagen abzuschaffen. 

„Es ist wichtig, dass jeder Einzelne von uns begreift, vor welcher Herausforderung wir stehen und wie wir sie meistern können“, so Bundesumweltminister Gabriel. „Klimawandel ist keine Katastrophe, der wir ohnmächtig gegenüberstehen. Wir können nicht nur etwas tun, wir werden sogar enorm davon profitieren, wenn wir unsere Gesellschaft zukunftsfest und damit klimaverträglicher gestalten. Aktiver Klimaschutz erhöht unsere Lebensqualität: Weniger Abgase bedeuten weniger Smog, und isolierte Gebäude schaffen ein angenehmeres Raumklima als ständige Heizungsluft. Es bringt nicht nur ökologische Verbesserungen, sondern auch ökonomische Vorteile, sich für einen starken Klimaschutz zu engagieren.“

„Eine unbequeme Wahrheit“ berührt und beeindruckt. Inzwischen hat der Film 23 Millionen US-Dollar eingespielt und ist damit der dritterfolgreichste Dokumentarfilm überhaupt. Seine Botschaft ist klar: Jeder ist Teil des Klimawandels und hat somit auch die Macht zur Veränderung: „There is no doubt we can solve this problem. In fact, we have a moral obligation to do so. Small changes to your daily routine can add up to big differences in helping to stop global warming. The time to come together to solve this problem is now – TAKE ACTION.”

Mehr Informationen zum Film und einen kurzen Trailer gibt es unter www.climatecrisis.net

Quellen: „An Inconvenient Truth“, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Tagesspiegel Berlin
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