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17.11.2008

Solarindustrie - Stürmische Zeiten vor dem nächsten Hoch

Mit dem Titel „Solarenergie 2008 – Stürmische Zeiten vor dem nächsten Hoch“ ist soeben die neue Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin & Cie AG erschienen. Sie vergleicht und bewertet die Aussichten der Technologien, Märkte und Unternehmen im Bereich der Solarenergie respektive der drei Anwendungsgebiete Fotovoltaik Solarthermie und solarthermische Kraftwerke (CSP). Es wird der Frage nachgegangen, welches die Solartechnologien der Zukunft sind und wer für die neuen Herausforderungen am besten gerüstet ist. Für den Fotovoltaik Markt erwartet die Schweizer Bank Sarasin bis 2012 eine durchschnittliche globale Zuwachsrate von 48 Prozent und bis 2020 einen Anstieg des globalen Marktvolumens auf 125 Gigawatt (4 GW in 2008) neu installierte Fotovoltaik Anlagen.

Die Fotovoltaik Industrie befindet sich in einer Übergangsphase: Globale Unterstützungsprogramme nehmen ab, der Siliziummangel entschärft sich und der Anteil der Dünnschichtmodule wächst dank Kostenvorteilen deutlich. Das übergeordnete Ziel der Solarbranche, Energie zu konkurrenzfähigen Preisen zu erzeugen – und zwar ohne staatliche Unterstützung – scheint greifbar. Damit wäre die Netzparität erreicht und die Nachfrage würde ungeahnte Wachstumsraten ermöglichen, so das Bankunternehmen in einer Pressemitteilung zur Studie.

Spezielles Augenmerk richtet die Studie „Solarenergie 2008 – Stürmische Zeiten vor dem nächsten Hoch“ zudem auf die Material sparenden Dünnschicht-Technologien sowie neue attraktive Märkte. Die Ausbaupläne sind beeindruckend: Nach Einschätzung der Bank Sarasin werden diese Technologien ihren Marktanteil bis 2012, von heute 12 Prozent auf 23 Prozent steigern können. Ihr heute noch geringerer Wirkungsgrad von 7 bis 11 Prozent dürfte laut Studie durch niedrigere Kosten sowie eine steilere Lernkurve kompensiert werden. Die fünf Unternehmen mit den attraktivsten Perspektiven in diesem Bereich sind First Solar, Sharp, Calyxo (Q-Cells), United Solar Ovonics und Sunfilm.

Schweizer Solarmarkt bleibt klein
Mit rund 13 Prozent pro Jahr wächst der Schweizer Solarmarkt trotz der neu eingeführten kostendeckenden Einspeisevergütung deutlich langsamer als der Weltmarkt. „Mit besseren nationalen Marktbedingungen könnte die Schweizer Solarindustrie ihre Forschungsaktivitäten und ihre hervorragende technologische Ausgangslage noch besser umsetzen“, ist Matthias Fawer, Autor der aktuellen Sarasin Solarstudie, überzeugt. „Ein starker Heimmarkt hilft, praktische Erfahrungen zu sammeln, um die internationale Präsenz zu stärken. Eine Plafonierung der Unterstützung für erneuerbare Energien bringt nicht die gewünschte stabile und nachhaltige Entwicklung eines inländischen Marktes. Dies haben schon Beispiele in Italien und Spanien gezeigt.“ 

Mechanismen, die ohne Begrenzung, dafür mit einer kontinuierlichen Degression der Vergütungssätze für Neuanlagen funktionieren, könnten nach Ansicht der Bank Sarasin sinnvoller sein. Damit würde ein zusätzlicher Anreiz für die Entwicklung wettbewerbsfähiger Kostenstrukturen gesetzt. Letzteres hat die Schweizer Lösung schon integriert. „Die Volumenausweitung ist jedoch fundamental für die Beschleunigung der Kostendegression. Die Kontingentierung der Solarenergie sollte deshalb“, so Fawer, „von der Politik im Sinne einer Abrundung der kostendeckenden Einspeisevergütung noch einmal überdacht werden.“

Italien und Tschechische Republik als attraktive neue Märkte
Damit sich das Wachstum der Fotovoltaik Industrie auf hohem Niveau fortsetzen kann, sind künftig Märkte außerhalb von Deutschland, Japan, den USA und Spanien, welche bis anhin dominierten, erforderlich. Der Brennpunkt des Marktes für Fotovoltaik Großanlagen wird sich 2009 von Spanien und Deutschland in Richtung Italien und Tschechische Republik verlagern. Zudem könnten auch Griechenland und Frankreich zu neuen spannenden Märkten heranwachsen. Dies stützt den Solarmarkt grundsätzlich breiter ab und ist für das weitere Wachstum der Branche unerlässlich.

Marktsituation drückt Aussichten für 2009
Aufgrund der Kreditkrise, der Anzeichen einer Abschwächung des realen Wirtschaftswachstums sowie der veränderten Rahmenbedingungen für die Fotovoltaik Industrie erwartet die Bank Sarasin für 2009 nur eine installierte Fotovoltaik Leistung von 4,8 GW bzw. eine Zuwachsrate von 17 Prozent. Ab 2010 ist jedoch wieder mit einer Beschleunigung des Marktes zu rechnen, so dass von 2007 bis 2012 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 48 Prozent erreicht wird.

Europa wächst in dieser Periode zurückhaltender, um nur 34 Prozent pro Jahr. Bis 2020 prognostiziert die Bank einen Anstieg des globalen Marktvolumens auf 125 GW neu installierte Fotovoltaik Anlagen. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2012 bis 2020 von 28 Prozent.

Stromversorger als wichtiger Treiber für Solar-Großanlagen
Als eine kostengünstige Technologie zur zentralen Stromerzeugung haben sich solarthermische Kraftwerke (CSP-Anlagen) etabliert. Ihnen erwächst jedoch zunehmend Konkurrenz durch Fotovoltaik Großanlagen. Für beide Technologien gibt es allerdings unterschiedliche Anwendungsbereiche. Für 2012 geht die Sarasin-Studie von einer kumulierten CSP-Kraftwerksleistung von 5,5 GW aus. Dies entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 44 Prozent pro Jahr.

Im Zuge der Kreditkrise wird die Finanzierung solcher Solarkraftwerke zu einem entscheidenden Faktor. Hier treten in Zukunft vermehrt Stromversorgungsunternehmen im Markt auf. Sie können von einem verstärkten Trend zu Investitionen im Infrastruktursektor profitieren und mit ihrer Größe und Bonität eine günstigere Finanzierung erhalten.

Solarwärme – wenig Profit aus Klimadiskussion
Solarkollektoren, die weltweit am meisten Energie aller Solartechnologien erzeugen, zeigten im 2007 ein Wachstum von 16 Prozent. Bis 2020 nimmt Sarasin ein durchschnittliches Wachstum von 20 bis 25 Prozent an. Während der chinesische Solarkollektorenmarkt ungehindert und ohne staatliche Unterstützung wächst, erlebt Europa starke Schwankungen. Hier sank die neu installierte Solarkollektorenleistung 2007 um 9 Prozent. Trotz der Diskussion betreffend Klimawandel und den hohen Energiekosten hat sich das Marktwachstum nicht beschleunigt.

Solarunternehmen – Wachstumskraft und geringe Verschuldung wichtig
In diesen turbulenten Zeiten ist für die Solarunternehmen eine solide Finanzierung entscheidend. Q-Cells, REC und First Solar liegen in der Sarasin Unternehmensbeurteilung ganz vorne. Hingegen weisen viele chinesische Unternehmen eine überdurchschnittlich hohe Verschuldung auf. Im Allgemeinen steigt jedoch das Interesse der konventionellen Industrie an den Solarunternehmen, wie die jüngste Übernahme von Ersol durch Bosch widerspiegelt, so die Bank Sarasin abschließend.

Quelle: Bank Sarasin & Cie AG

  

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