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30.12.2008

Klimaforscher Schellnhuber: „Globale Kipp-Elemente aktiviert“

Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Klimaschutzbeauftragte der Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber, hat vor einer dramatischen Beschleunigung des Klimawandels gewarnt. „In fast allen Bereichen verlaufen die Entwicklungen schneller als bisher angenommen“, sagte Schellnhuber der „Saarbrücker Zeitung“. Vieles deute darauf hin, dass derzeit einige globale Klima-„Kipppunkte“ aktiviert würden.

„Wir sind auf dem Weg zur Destabilisierung des Weltklimas viel weiter fortgeschritten, als die meisten Menschen und ihre Regierungen denken.“ So deute vieles darauf hin, dass derzeit einige globale Klima-„Kipppunkte“ aktiviert würden. Das arktische Meereis etwa schmelze schneller als erwartet, zudem gebe es Anzeichen, dass das gesamte Klimamuster am Nordpol „bereits in einen neuen Zustand umgeschlagen ist“.

Für die Arktis sei bei der jetzigen Erderwärmung von 0,8 Grad die Grenzlinie offenbar überschritten. Beim Grönlandeis, „der Achilles-Ferse des Planeten schlechthin“ liege die Grenze bei etwa zwei Grad-Erderwärmung. Es schmelze ebenfalls schneller als gedacht. Real seien nach neueren Untersuchungen aber schon 2,4 Grad Erderwärmung im Klimasystem einprogrammiert, die nur durch die Luftverschmutzung in Teilen der Welt noch verdeckt würden. Wenn das Grönlandeis komplett kollabierten sollte, würde der Meeresspiegel laut Schellnhuber um sieben Meter ansteigen: „Dann gäbe es die heutigen Küsten nicht mehr, auch nicht in Deutschland“.

Es gebe rund ein Dutzend Kipp-Element im globalen Klima-System, darunter auch der Amazonas-Regenwald und die Himalaja-Gletscher. Nur wenn die Erderwärmung bei zwei Grad gehalten werde, könne man die meisten dieser Kipp-Vorgänge vermeiden, „möglicherweise aber nicht alle“. Dazu müsse der globale CO2-Ausstoß bis 2050 halbiert werden, was für die Industrieländer ein Minus von 80 bis 90 Prozent bedeute. Bis 2020 müsse dieser Prozess eingeleitet sein. „Wenn nur eine Seite versagt, Industrieländer oder Schwellenländer, dann ist ein desaströser Klimawandel unvermeidbar“, sagte Schellnhuber der Saarbrücker Zeitung. 

Quelle: Saarbrücker Zeitung

  

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