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15.08.2011

„Himmlische“ Wärme fürs Pfarrzentrum Zwiesel

Das neue Pfarrzentrum in Zwiesel im Bayerischen Wald setzt vollständig auf Erneuerbare Energien: Als eines der ersten kirchlich genutzten öffentlichen Sonnenhäuser deckt es mehr als ein Drittel seines Jahreswärmebedarfs durch den kostenfreien Rohstoff Sonne An der nach Südosten ausgerichteten Fassade angebrachte Solarthermie Kollektoren bilden mit einer weiteren freistehenden Kollektorfläche eine 76 Quadratmeter große Sammelstelle für Sonnenwärme.

Das neue Pfarrzentrum ersetzt das alte Pfarrzentrum und steht mit dem benachbarten, fünfstöckigen Pfarrwohnhaus (bereits 2006 wärmetechnisch saniert) in einem Solar-Wärme Verbund. Zwei Tanks stehen zum Speichern der Sonnenwärme bereit, wobei der größere, mit 10 Kubikmeter Fassungsvermögen im Neubau integriert ist. Ein kleinerer Pufferspeicher mit 3,3 Kubikmetern kam an die Stelle des alten Öltanks im Heizraum des Wohnhauses. 

Sorgte in dem alten Pfarrzentrum ein 200 kW-Ölkessel mit einem Jahresverbrauch von 25.000 Litern Heizöl für die notwendige Wärme, so kann das neue Pfarrzentrum samt dem benachbarten Wohnhaus nun mehr als ein Drittel seines Jahreswärmebedarfs durch den kostenfreien Rohstoff Sonne decken. Ein 60 kW- Pelletkessel ergänzt im Winter bei Bedarf die Solarwärme in beiden Pufferspeichern. Fußbodenheizungen verteilen die Wärme gleichmäßig und individuell regelbar in die Räume des Gemeindezentrums. 

Im Pfarr-Wohnhaus kommen Heizkörper mit Niedertemperaturbetrieb zum Einsatz. Die Wärmeverteilung übernehmen Hocheffizienzpumpen mit 10-40 Watt Leistung an Stelle der bisherigen, überdimensionierten Pumpen mit einer Leistungsaufnahme von 150 bis 250 Watt Außenwände aus 42 und 49 Zentimeter dickem Ziegelmauerwerk mit Perlitefüllung minimieren den Transmissionswärmeverlust des Neubaus. Auf eine Lüftungsanlage wurde verzichtet. 

Die Nutzung von Solarenergie ermöglicht im Wärmeverbund einen wesentlich höheren Solarertrag, da ganzjährig Energie abgenommen wird. Der Verbund von Pfarrzentrum und Pfarrwohnhaus ist technisch so optimiert, dass er die solare Wärme dorthin leitet, wo sie am besten verwertet wird. Erwirtschaften die Kollektoren in den sonnenreichen Jahreszeiten solare Überschüssen im Neubau, die dort zu dieser Zeit nicht benötigt werden, stellt das System diese dem Pfarrwohnhaus für den täglichen Bedarf, unter anderem für die Warmwasserbereitung zur Verfügung. Durch den solaren Wärmeverbund mit dem Gebäudebestand verdoppelt sich der spezifische Solarertrag von220 auf 440 Kilowattstunden pro Quadratmeter Kollektorfläche und Jahr. Insgesamt wird für beide Gebäude eine solare Deckung von gut 40 Prozent erreicht. 

Der Heizenergieverbrauch des neuen Pfarrzentrums im Verbund mit dem Wohnhaus liegt nach Auswertung des ersten Betriebsjahres mit 13 Tonnen Pellets bei weniger als einem Viertel des alten Pfarrgebäude-Ensembles. Die Energiekosten für die Wärmebereitstellung inklusive Strom reduzieren sich im Vergleich zu vorher sogar auf etwa ein Fünftel. 

Ein maßgeschneidertes Steuerungssystem sichert die nahtlose Versorgung beider im Verbund stehender Gebäude. Ein besonderes Highlight ist die Visualisierung und Anbindung der Anlage an das Internet. Der technische Service kann von außerhalb die Abläufe der gesamten Anlage beobachten und programmieren. Auch der Nutzer, kann beispielsweise für jeden Veranstaltungsraum die gewünschte Raumtemperatur oder die Nutzungszeit über den PC einstellen. Die minütlich aufgezeichneten Daten (sämtliche Temperaturen und Energiemengen) stehen für die Auswertung beliebiger Zeitabschnitte zur Verfügung. Dadurch können auch etwaige Störungen gezielt erkannt und behoben werden. 

Ein Bildschirm im Foyer des Neubaus visualisiert die Anlagentechnik auch für die Besucher. Hier können sie auf einer übersichtlichen, schematischen Darstellung die einzelnen Komponenten eines Sonnenhauses nachvollziehen und die Entwicklung der Temperaturen und Solarerträge „online“ verfolgen. 

Neben dem europaweit ersten 100 Prozent solar versorgten öffentlichen Gebäude, dem Informationszentrum des Naturparks Zwiesel, ist das neue Pfarrzentrum ein weiteres, gelungenes Beispiel für energieeffizientes Bauen in dieser Gemeinde. Durch die gewissenhafte Optimierung der gesamten Anlage die energiesparenden technischen Details sowie den optimal am Bedarf orientierten Wärmeverbund ist der Heizbetrieb des Pfarrzentrums deutlich wirtschaftlicher als zuvor. Die Umstellung von Öl auf Sonnenenergie und Biomasse runden das Konzept auch in ökologischer Hinsicht ab. 

Quelle: Sonnenhaus Institut e.V.

  

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