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06.06.2012

Solarbranche fordert von Politik mutige Umsetzung der Energiewende

Die Anfang 2012 angestoßene EEG Novelle führt in der Solarbranche zu tiefgreifenden Umbrüchen. Bei den Workshops „Die Zukunft des deutschen Marktes nach der EEG Novelle April 2012“ und „Photovoltaik Strom selbst nutzen und vermarkten“, die am 30. und 31. Mai 2012 in Berlin stattfanden, wurde nun angesichts der unklaren politischen Lage über sinnvolle Weiterentwicklungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) diskutiert. „Die Energiewende ist politisch gewollt und klar beschlossen. Nun muss die Politik auch den Mut haben, diese umzusetzen“, forderte Karl-Heinz Remmers, Vorstandvorsitzender des Veranstalters Solarpraxis AG in seinem Eröffnungsvortrag.

Ziel der Veranstaltungen war es, den knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in diesen unsicheren Zeiten einen umfassenden Überblick über die aktuellen Änderungen des EEG und die daraus resultierenden Auswirkungen für die gesamte Wertschöpfungskette zu bieten.

Solarstrom werde in der Öffentlichkeit als Preistreiber gesehen, erklärte Remmers weiter. Es sei in der Vergangenheit nicht gelungen, zu vermitteln, dass durch den Anstieg der Solarstromproduktion bereits Milliarden von Euro an der Strombörse eingespart werden. Der Grund dafür ist, dass Strom aus Photovoltaik Anlagen genau dann produziert wird, wenn der Strombedarf am größten ist und den teuer in konventionellen Kraftwerken produzierten Strom vom Markt verdrängt.

„Von den Einsparungen im Stromgroßhandel profitieren zurzeit aber die Falschen - nämlich die Industrie und nicht die Verbraucherinnen und Verbraucher“, so Remmers. Vor allem die energieintensiven Industriebetriebe erhalten deutlich günstigere Preise, weil sie am Spotmarkt einkaufen und somit direkt vom preissenkenden Effekt der Photovoltaik profitieren. Dieser Effekt werde von den Stromanbietern aber nicht an die privaten Verbraucher weitergegeben, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Gleichzeitig seien die energieintensiven Industriebetriebe von der EEG Umlage befreit. Würde man die preissenkende Wirkung der Photovoltaik bei der Berechnung der EEG Umlage mit einbeziehen, würden die Stromtarife für die Verbraucher um etwa 0,15 Cent pro Kilowattstunde sinken. Grundsätzlich käme es bei der Umsetzung der Energiewende darauf an, diese auch sozial verträglich zu gestalten, unterstrich er.


Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer rechnen im Nachgang der letzten Jahre auch in diesem Jahr mit einem starken Zubau der Photovoltaik in Deutschland. Götz Fischbeck von Smart Solar Consulting war sich in seinem Vortrag „Sind auch in 2012 wieder 7 GW in Deutschland vorstellbar?“ jedoch nicht sicher, ob man sich zweistellige Zubau-Zahlen in Deutschland wünschen solle. Dies würde die Regierung voraussichtlich dazu bringen, die Solarförderung noch radikaler zusammenzustreichen und so den Markt gänzlich zum Erliegen zu bringen, prognostizierte er.

Eberhard Holstein von der Grundgrün Energie GmbH betonte, dass der deutsche Stromhandel in Zukunft radikalen Änderungen unterworfen werden müsse. Es käme in Zukunft darauf, dass die Solarbranche vermehrt Verantwortung übernähme. „Für die erneuerbaren Energien gilt es, in die Rolle als Systemträger des Strommarktes hineinzuwachsen“, erklärte er.

Wichtig ist für die Solarbranche außerdem, sich internationaler aufzustellen und neue Märkte für sich zu erschließen. „Es wird höchste Zeit, dass man auch in neuen Märkten ohne Förderung agiert“, hob u. a. Karl-Heinz Remmers in der Abschlussdiskussion des ersten Tages hervor. Ansgar Diekmann vom Projektierer ET Solutions AG führte an, dass entscheidend sei „Synergieeffekte durch Internationalisierung zu nutzen“. Da „dramatische Kostensenkungspotenziale der Vergangenheit angehören“, sieht er die Chancen für die Photovoltaik zum einen in einer Verbesserung des Wirkungsgrades und einer Optimierung des Photovoltaik Systems und zum anderen in steigenden Strompreisen.

Dr. Thomas Hillig von IST Innotech Solar stellte anschaulich dar, dass es für Modulhersteller zukünftig verstärkt darauf ankomme, „besser zu sein als der Wettbewerb“. Die Stellschrauben dafür seien die Qualität und der Preis der Module sowie die Zeit, in der die Module geliefert werden können. Wichtig sei es außerdem, „dem Kunden glaubhaft machen zu können, dass ich auch in 4, 5 oder 6 Jahren noch da bin“, so Hillig.

Die Veränderungen durch die Gesetzesnovelle erfassen alle Teile der Wertschöpfungskette, darauf stellt sich auch der Fachgroßhändler AS Solar ein. Michael Walkling sah die Chance des Fachgroßhandels u. a. darin, dass die Produkte und Sachverhalte zunehmend erklärungsbedürftiger und komplexer werden. „Viele Installateure und Handwerker tun sich damit schwer“, fügte er hinzu. Außerdem setze AS Solar auf neue Produkte wie Speichersysteme, für die es bereits eine rege Nachfrage gebe, sowie auf die Erschließung neuer Märkte.

Viele Fragen konnten im Rahmen der Workshops geklärt werden, doch ebenso viele Fragen sind durch die EEG Novelle offen geblieben, so das Fazit der beiden Veranstaltungen. Es bleibt die Hoffnung, dass das Vermittlungsverfahren am 6. Juli 2012 vor der Sommerpause zu einem einigermaßen vernünftigen Abschluss kommt, damit wieder Rechts- und Planungssicherheit herrscht. Unter dem Motto „Alles ist anders“ werde man sich im Herbst beim Forum Solarpraxis am 22. und 23. November 2012 in Berlin wiedertreffen, um die neuesten Änderungen zu besprechen, schloss Karl-Heinz Remmers die Veranstaltung.

Quelle: Solarpraxis AG

  

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