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03.09.2009

Sondergutachten: Mehr Klimaschutz deutschland- und weltweit nötig

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat am Dienstag in Berlin der Bundesregierung sein Sondergutachten „Kassensturz für den Weltklimavertrag – Der Budgetansatz“ übergeben. Das nun vorgestellte Papier unterstreiche, wie dringlich das Handeln aus Sicht der Wissenschaft ist, so das Bundesumweltministerium. Zugleich entwickelten die Autoren ein Lösungskonzept für das Weltklimaproblem: Der WBGU schlägt einen Budgetansatz vor, in dem das globale Kohlendioxid-Budget pro Kopf gleichmäßig auf die Weltbevölkerung aufgeteilt wird.

Der Auftrag an den WBGU für dieses Gutachten erfolgte vor dem Hintergrund der anstehenden Klimaverhandlungen in Kopenhagen, heißt es aus dem Bundesumweltministerium. „Das WBGU-Gutachten zeigt erneut, wie wichtig eine Trendumkehr für den Klimaschutz in den nächsten Jahren sein wird“, sagte Prof. Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Prinzip des Budgetansatzes, wie ihn der WBGU vorschlägt, ist einfach: Für jedes Land wird ein „Kohlendioxid-Konto“ eingerichtet, das die Größe der Bevölkerung und die bereits erfolgten Emissionen der Vergangenheit berücksichtigt Für Industrieländer heißt das, dass sie wegen ihrer hohen Emissionen bereits so viel „abgebucht“ haben, dass ihr Budget bald überzogen sein wird und durch Transferleistungen an die Entwicklungsländer erst wieder aufgefüllt werden muss – vor allem durch den globalen Emissionshandel. 

Zugleich soll das Zwei-Grad-Ziel völkerrechtlich anerkannt werden. Dieses sieht eine Begrenzung der Erderwärmung in diesem Jahrhundert um zwei Grad im Vergleich zur vor-industriellen Zeit vor. Der WBGU zeigt auch auf, welche Schritte notwendig sind, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Der Beirat fordert eine eindeutige Trendumkehr („Peaking“) bei den globalen Kohlendioxid Emissionen bis 2020. Eine weitgehend emissionsfreie Wirtschaftsweise soll bis 2050 umgesetzt werden (maximal ein bis eineinhalb Tonnen pro Kopf und Jahr).

„Bis 2050 muss die Wirtschaft in den Industrieländern weitgehend Kohlendioxid-neutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir emissionsarme Technologien in den Industriestaaten, aber auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Hierfür brauchen wir noch mehr Forschung und Innovation. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die vom BMBF initiierte Hightech-Strategie zum Klimaschutz, die ressort-übergreifende Initiativen im Bereich Klimaforschung bündelt. Durch Aktivitäten wie die Entwicklung klimafreundlicher Technologien in Innovationsallianzen, durch Elektromobilität oder Forschung für klima- und energieeffiziente Strukturen der Megastädte von morgen setzen wir hier bereits jetzt wichtige Impulse“, so Meyer-Krahmer weiter.

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, sagte bei der Übergabe des Gutachtens: „Ich halte den Budgetansatz für ein gutes Instrument, den Handlungsdruck deutlich zu machen und zu illustrieren, vor welchen Herausforderungen Industrie- wie Entwicklungsländer stehen. Der Ansatz verdeutlicht, dass Emissionsbudgets gerecht auf alle Staaten bzw. Bürger dieser Welt verteilt werden müssen. Ich halte den Budgetansatz aber gegenwärtig für nur schwer politisch durchführbar. Wir werden den Einstieg in anspruchsvolle Minderungen in Kopenhagen beschließen und beschließen müssen. Da bin ich wesentlich optimistischer als der WBGU.“

Das WBGU-Konzept stellt einen „sehr weitreichenden Ansatz“ dar, so das Bundesumweltministerium, der deutlich über die in Deutschland und international in der Politik diskutierten Forderungen hinausgehe. So werden zum Beispiel nationale Pläne zur Kohlendioxid-Reduktion vorgeschlagen, über deren Einhaltung eine „Klimazentralbank“ mit weitreichenden Befugnissen wachen soll. 

Das Gutachten ist unter www.wbgu.de verfügbar.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

  

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